MEP DR. Monika Vana spricht über das "Big Picture" im Europaparlament und die Wichtigkeit von Klimaschutz und Frauenrechten

Dr. Monika Vana im EU Parlament - © Büro Vana
Dr. Monika Vana im EU Parlament - © Büro Vana

Wo liegen ihre Kernkompetenzen, welche Themen finden bei Ihrer Arbeit im Europaparlament besondere Aufmerksamkeit?

Meine Kernkompetenzen liegen in der regionalen Entwicklung, dem EU Budget, der Gleichstellungsarbeit und natürlich auch im Bereich Arbeit und Soziales. Besonders diese Punkte verdienen meiner Meinung nach besonders viel Aufmerksamkeit und Grüner Expertise, denn nur wenn hier engagiert gearbeitet wird, können wir ein Europa gestalten, dass von Fairness, Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit geprägt ist.

Seit vielen Jahren habe ich den Eindruck, dass EU ParlamentarierInnen tendenziell harmonischer und produktiver in der überparteilichen Arbeit engagiert sind als zum Beispiel die Abgeordneten im Ö-Nationalrat. Stimmen Sie zu und falls ja, woran könnte das liegen?

Vielleicht haben Europa-Abgeordnete noch mehr das "Big Picture" in ihrem politischen Bewusstsein. Es ist ja auch ein wenig abstrakter, sich in einem Gefüge zu engagieren, das so groß ist und die unterschiedlichen Interessen von so vielen verschiedenen Menschen betrifft. Um ein sehr grobes Beispiel zu bemühen: Im Dorf kennt man jeden, in Europa niemanden. Wen man in der europäischen Arbeit nicht bereit ist, auf ausgleichende Maßnahmen zu setzen, wird man schon bald merken, dass gar nichts weitergeht.

Und es macht eben einen Unterschied, ob man in einem reichen und stabilen Land politische Arbeit macht, oder ein einem sehr wechselhaft gestalteten und erheblich größeren Europa. Hier kommt man mit kleinlichem Partei-Hickhack und egozentrischem Nationalismus nicht weiter. Aber natürlich vertreten wir als Grüne eine ganz klare Linie und haben sehr starke Positionen, für die wir kämpfen.

Wo sehen Sie die gravierendsten Herausforderungen der Europäischen Union nach innen und nach außen in der nächsten Zeit?

Neben Klimaschutz und dem Aufbau der sozialen Frage ist es der immer stärker aufkeimende Nationalismus in einigen Mitgliedsstaaten eine große Herausforderung - und alles was damit verbunden ist: Beschneidung der Presse- und Meinungsfreiheit, Kürzung bei sozialen Anliegen und Bildung, Ausgrenzung von Minderheiten und Rücknahme von Frauenrechten und die teilweise offene Verweigerung der Kooperation auf europäischer Ebene.

All diese Punkte sind sehr gefährlich und können das größte Friedensprojekt der Geschichte - die EU - nachhaltig gefährden. Die EU muss hier zusammenstehen und verhindern, dass einige wenige Machtpolitiker dieses sensible und großartige Gefüge zerstören. Und das obendrein nur aus kleinlicher Gewinnsucht und Machtlust.